Schlittenprothese Knie – Wann reicht eine Teilprothese?
Nicht immer muss das gesamte Kniegelenk ersetzt werden. Erfahren Sie, für wen eine Schlittenprothese die bessere Lösung ist.
Häufige Fragen zur Schlittenprothese
Was ist eine Schlittenprothese am Knie?
Eine Schlittenprothese (unikondyläre Prothese) ersetzt nur den verschlissenen Teil des Kniegelenks – meist die Innenseite. Gesunde Gelenkanteile, Kreuzbänder und Kniescheibe bleiben erhalten.
Wann kommt eine Schlittenprothese infrage?
Eine Schlittenprothese eignet sich, wenn der Verschleiß nur einen Gelenkabschnitt betrifft, die Kreuzbänder intakt sind und keine schwere Fehlstellung vorliegt.
Welche Vorteile hat eine Schlittenprothese?
Bei geeigneter Ausgangslage kann eine Schlittenprothese gesundes Gewebe und Knochen erhalten. Unterschiede bei Mobilisation, Bewegungsgefühl und Risiken hängen von Befund, Operation und Nachbehandlung ab.
Wie lange hält eine Schlittenprothese?
Viele Schlittenprothesen funktionieren über lange Zeit. Haltbarkeit und ein möglicher späterer Wechsel hängen von Implantat, Knochen, Belastung und dem individuellen Verlauf ab.
Kann eine Schlittenprothese später zur Vollprothese erweitert werden?
Ja, das ist ein großer Vorteil. Da bei der Schlittenprothese wenig Knochen entfernt wird, ist ein späterer Wechsel auf eine Totalendoprothese technisch unkompliziert.
Was ist eine Schlittenprothese?
Das Kniegelenk besteht aus drei Abschnitten: der Innenseite (medialer Anteil), der Außenseite (lateraler Anteil) und dem Kniescheibengleitlager. Bei vielen Patienten ist der Verschleiß nicht gleichmäßig verteilt, sondern betrifft vorwiegend einen dieser Abschnitte – meist die Innenseite.
Genau hier setzt die Schlittenprothese an: Sie ersetzt nur den geschädigten Gelenkanteil und schont den Rest. Die gesunden Knorpelflächen, die Kreuzbänder und die natürliche Gelenkgeometrie bleiben erhalten. Medizinisch spricht man von einer unikondylären Knieprothese (UKA).
Voraussetzungen für eine Schlittenprothese
Nicht jeder Patient ist für eine Schlittenprothese geeignet. Laut Dr. Michael Matz müssen mehrere Kriterien erfüllt sein, damit die Teilprothese langfristig erfolgreich ist:
- Isolierter Verschleiß: Nur ein Gelenkabschnitt ist betroffen – der Rest zeigt noch intakten Knorpel
- Intaktes vorderes Kreuzband: Die Bandstabilität ist essenziell für die Funktion der Schlittenprothese
- Keine schwere Fehlstellung: O-Bein oder X-Bein darf nicht mehr als 10–15 Grad betragen
- Guter Bewegungsumfang: Die Beugung sollte mindestens 90 Grad betragen, eine starke Streckhemmung (<15°) ist akzeptabel
- Kein schweres Übergewicht: Ein BMI unter 35 ist empfehlenswert
Vorteile gegenüber der Totalendoprothese
Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann eine Schlittenprothese folgende mögliche Vorteile bieten. Ob sie im Einzelfall eintreten, hängt von Befund, Operation und Nachbehandlung ab:
- Kleinerer Schnitt: Der Zugang ist deutlich kleiner (ca. 8–10 cm), weniger Gewebe wird verletzt
- Weniger Knochenverlust: Es wird nur minimal Knochen entfernt – ideal für eine spätere Revision
- Erholung und Alltag: Klinikaufenthalt und Rückkehr in den Alltag richten sich nach Heilungsverlauf, Belastbarkeit und Reha-Plan.
- Natürlicheres Bewegungsgefühl: Die erhaltenen Kreuzbänder sorgen für eine natürlichere Gelenkführung
- Risiken: Mögliche Risiken werden vor der OP anhand von Vorerkrankungen, Befund und geplantem Eingriff individuell besprochen.
Der Eingriff: So läuft die OP ab
Die OP dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten und wird meist unter Spinalanästhesie durchgeführt. Über einen kurzen Schnitt an der Vorderseite des Knies wird der verschlissene Gelenkanteil freigelegt. Die beschädigten Oberflächen werden sparsam abgetragen und durch die Metallkomponenten der Prothese ersetzt. Ein Kunststoffinlay dient als neue Gleitfläche.
Die Mobilisation beginnt häufig früh unter physiotherapeutischer Anleitung. Wann Aufstehen, Belastungsaufbau und Entlassung möglich sind, wird nach der Operation und dem individuellen Verlauf festgelegt.
Schlittenprothese vs. Totalendoprothese
Die Entscheidung zwischen Schlittenprothese und Totalendoprothese (TEP) hängt vom individuellen Befund ab. Eine direkte Gegenüberstellung:
- OP-Dauer: Schlittenprothese ca. 45–60 Min. vs. TEP ca. 60–90 Min.
- Schnittlänge: 8–10 cm vs. 15–20 cm
- Klinikaufenthalt: 3–5 Tage vs. 5–7 Tage
- Genesung: 4–6 Wochen vs. 8–12 Wochen
- Bewegungsgefühl: Natürlicher vs. Funktionell gut, aber spürbar künstlich
Wann ist eine Totalendoprothese die bessere Wahl?
Bei fortgeschrittenem Verschleiß in mehreren Gelenkabschnitten, fehlenden Kreuzbändern oder ausgeprägter Fehlstellung ist die Totalendoprothese die sicherere Option. Auch bei starkem Übergewicht oder rheumatischen Erkrankungen wird meist eine Vollprothese empfohlen.
Fazit: Weniger kann mehr sein
Eine Schlittenprothese kann bei isoliertem Gelenkverschleiß eine gelenkerhaltende Option sein. Ob sie für Sie infrage kommt und welche Ziele für Mobilität, Belastung und Alltag realistisch sind, klären wir im persönlichen Beratungsgespräch.
Ihr Experte: Dr. Michael Matz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Über 2.000 Eingriffe. Spezialisiert auf minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik nach der Röttinger-Methode.
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