Eine gute Vorbereitung ist die halbe Genesung. Je besser Sie medizinisch und organisatorisch auf Ihre Hüftprothesen-OP vorbereitet sind, desto reibungsloser verlaufen Eingriff und Heilung. Dieser Artikel gibt Ihnen eine vollständige Checkliste – von den medizinischen Voruntersuchungen über die Wohnungsanpassung bis zum Klinikkoffer. Drucken Sie diese Übersicht aus und arbeiten Sie die Punkte Schritt für Schritt ab. So gehen Sie entspannt und sicher in die Operation.
Noch nicht sicher, ob die OP der richtige Schritt ist? Dann lesen Sie zuerst Wann ist eine Hüft-OP wirklich nötig? und Alternativen zur Hüftprothese.
Medizinische Voruntersuchungen (4-6 Wochen vor OP)
Die medizinischen Voruntersuchungen sind der erste und wichtigste Schritt der Vorbereitung. Ihr Hausarzt koordiniert die nötigen Befunde: eine aktuelle Blutuntersuchung mit Blutbild, Gerinnungswerten und Entzündungsparametern, ein EKG zur Beurteilung der Narkosefähigkeit und aktuelle Röntgenbilder der Hüfte für die OP-Planung.
Laut Dr. Michael Matz ist der Zahnarzt-Check vor der Hüft-OP besonders wichtig und wird oft unterschätzt. Entzündungsherde im Mundbereich – auch symptomlose – können Bakterien in die Blutbahn streuen, die sich am neuen Implantat ansiedeln. Sanieren Sie offene Baustellen beim Zahnarzt rechtzeitig. Ebenso wichtig: ein Urologen-Check (bei Männern) bzw. Gynäkologen-Check (bei Frauen) zum Ausschluss von Harnwegsinfekten. Infektionen jeder Art müssen vor dem Eingriff vollständig auskuriert sein. Wer den Kliniktag besser einordnen möchte, findet im Beitrag So läuft die Hüft-OP ab und in der Seite zur Narkose bei der Hüft-OP die passenden Detailinfos.
Medikamente und Blutverdünner besprechen
Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Medikamente, die Sie einnehmen – inklusive rezeptfreier Mittel und Nahrungsergänzungen. Besprechen Sie diese Liste mit Ihrem Operateur und dem Anästhesisten. Blutverdünner erfordern besondere Aufmerksamkeit: Marcumar muss etwa 5 bis 7 Tage vor der OP abgesetzt und durch Heparin-Spritzen ersetzt werden (Bridging).
Neuere Blutverdünner wie Eliquis, Xarelto oder Pradaxa müssen je nach Präparat 24 bis 48 Stunden vor dem Eingriff pausiert werden. Aspirin wird je nach Situation beibehalten oder abgesetzt. Auch pflanzliche Präparate wie Ginkgo, Johanniskraut oder Omega-3-Fettsäuren können die Blutgerinnung beeinflussen und sollten 1 bis 2 Wochen vor der OP abgesetzt werden. Wichtig: Setzen Sie niemals eigenmächtig Medikamente ab. Jede Änderung nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt.
Wohnung vorbereiten (2-3 Wochen vor OP)
Nach der Entlassung aus Klinik und Reha werden Sie einige Wochen eingeschränkt sein. Bereiten Sie Ihre Wohnung so vor, dass der Alltag sicher und komfortabel funktioniert. Beseitigen Sie Stolperfallen: lose Teppiche entfernen oder mit rutschfestem Klebeband fixieren, Kabel aus dem Weg räumen, ausreichend Beleuchtung sicherstellen.
Besorgen Sie folgende Hilfsmittel: eine Toilettensitzerhöhung (unerlässlich in den ersten Wochen), eine Greifzange zum Aufheben von Gegenständen vom Boden, einen Duschhocker und eventuell Haltegriffe im Bad. Organisieren Sie Vorräte für die erste Zeit oder richten Sie einen Lieferdienst ein. Räumen Sie häufig benötigte Gegenstände (Geschirr, Lebensmittel, Kleidung) auf Hüfthöhe, damit Sie sich nicht bücken müssen. Organisieren Sie Hilfe – Familie, Freunde oder professionelle Haushaltshilfe – für die ersten zwei bis drei Wochen nach der Rückkehr.
Reha und Nachsorge organisieren (3-4 Wochen vor OP)
Die Anschlussheilbehandlung (AHB) sollte vor der OP organisiert sein. Ihr Orthopäde oder der Sozialdienst der Klinik unterstützt Sie bei der Beantragung. Sie haben die Wahl zwischen stationärer Reha (3 Wochen in einer spezialisierten Klinik) und ambulanter Reha (3 bis 4 Wochen mit täglichen Sitzungen, Sie schlafen zu Hause).
Die stationäre Reha eignet sich besonders, wenn Sie allein leben oder die häusliche Versorgung noch nicht gesichert ist. Ambulante Reha ist eine gute Option, wenn Sie gut versorgt sind und den Komfort der eigenen Wohnung bevorzugen. Klären Sie auch die Nachsorge nach der Reha: ambulante Physiotherapie (mindestens 2-mal pro Woche über 6 bis 12 Wochen) und die Kontrolltermine beim Orthopäden (6 Wochen, 3 Monate, 12 Monate nach OP). Rezepte für Physiotherapie stellt Ihr Operateur oder Hausarzt aus.
Klinikkoffer packen (1-2 Tage vor OP)
Packen Sie Ihren Klinikkoffer rechtzeitig und in Ruhe. Unverzichtbar sind: Versicherungskarte, Einweisungsschein, aktuelle Medikamentenliste, Allergiepass (falls vorhanden), vorhandene Röntgenbilder und Befunde. Bringen Sie bequeme, weite Kleidung mit – Jogginghosen und weite Shirts sind ideal, da das An- und Ausziehen mit dem neuen Gelenk anfangs schwieriger ist.
Rutschfeste, geschlossene Hausschuhe (keine Schlappen!) sind wichtig für sicheres Gehen mit Gehstützen. Packen Sie Hygieneartikel, ein Handtuch, Ihr Handy mit Ladekabel und etwas Lesestoff ein. Wertsachen und größere Geldbeträge lassen Sie am besten zu Hause. Denken Sie an eine lange Schuhlöffel – Schuhe anziehen durch Bücken ist in den ersten Wochen nicht möglich. Notieren Sie sich die wichtigsten Telefonnummern auf einem Zettel, falls der Akku leer ist.
Die letzten 7 Tage vor der OP
Kurz vor dem Eingriff hilft eine kleine Endkontrolle. So vermeiden Sie hektische Rueckfragen in den letzten Tagen.
Unterlagen komplett?Versicherungskarte, Einweisung, Medikamentenliste, aktuelle Befunde und Kontaktdaten sollten griffbereit und gesammelt sein.
Heimweg organisiert?Klaeren Sie rechtzeitig, wer Sie nach Klinik oder Reha unterstuetzt und wie Einkaeufe oder Termine in den ersten Tagen laufen.
Haushalt vorbereitet?Stolperfallen, Vorratskauf, Toilettensitzerhoehung, Greifzange und erreichbare Alltagsgegenstaende sollten bereits erledigt sein.
Fragen notiert?Schreiben Sie offene Punkte zu Narkose, Medikamentenpause, Reha oder Nachsorge auf und nehmen Sie die Liste zum Aufklaerungsgespraech mit.
Übungen vor der OP und Umgang mit Angst
Leichte Aktivierung vor dem Eingriff hilft oft mehr als strikte Schonung. Sinnvoll sind alltagsnahe Übungen für Gesäß, Oberschenkel und Rumpf – etwa kontrolliertes Aufstehen, sanfte Hüftmobilisation oder kurze Einheiten auf dem Ergometer, sofern dies Ihre Beschwerden zulassen. Ziel ist kein „Fitnessprogramm“, sondern ein besserer Start in die frühe Reha.
Viele Patienten haben außerdem Angst vor der OP. Das ist normal. Hilfreich ist, offene Fragen nicht aufzuschieben: Notieren Sie Unsicherheiten zu Narkose, Schmerzen, Mobilisation und Klinikablauf. Ein gutes Aufklärungsgespräch soll nicht beschwichtigen, sondern verständlich erklären, was tatsächlich auf Sie zukommt.
Für die letzten praktischen Dinge vor dem Aufnahmetag hilft die Packliste fürs Krankenhaus.
Welche Unterlagen Sie zu welchem Termin brauchen
Viele Vorbereitungsfehler entstehen nicht durch fehlende Motivation, sondern durch unklare Reihenfolge. Diese kleine Orientierung hilft beim Sortieren.
| Hausarzt / Voruntersuchung | Medikamentenliste, Vorbefunde, Fragen zu Blutwerten und EKG |
| Anästhesiegespräch | Allergien, Vorerkrankungen, Narkose-Erfahrungen, aktuelle Medikamente |
| Klinikaufnahme | Versicherungskarte, Einweisung, Bildgebung, Befunde, Kontaktdaten |
| Reha-Planung | Versicherungsdaten, Hilfe im Alltag, Wunsch nach stationär oder ambulant |
Wichtige Einordnung vor der Hüft-OP
Diese Seite ist Ihre Haupt-Checkliste. Detailfragen zu Narkose, Klinik-Packliste oder OP-Ablauf sollten Sie nicht mit ihr vermischen, sondern gezielt separat klären.
- Wenn Sie vor allem wissen wollen, was Sie mit ins Krankenhaus nehmen, ist die Packliste der schnellste nächste Schritt.
- Wenn Sie vor allem Sorge wegen Vollnarkose oder Spinalanästhesie haben, lesen Sie die Narkose-Seite direkt danach.
- Wenn Sie verstehen möchten, was am OP-Tag konkret passiert, wechseln Sie erst dann in den Ablauf-Beitrag.