Protheseninfektion – Ursachen und Behandlung
Was tun bei einer Infektion am Kunstgelenk? Ursachen, Erkennung und moderne Therapieoptionen.
Häufige Fragen zur Protheseninfektion
Wie erkennt man eine Protheseninfektion?
Typische Zeichen sind anhaltende Schmerzen, Rötung und Überwärmung des Gelenks, Schwellung, Wundheilungsstörung, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei chronischen Infektionen können die Symptome dezenter sein.
Wie häufig sind Protheseninfektionen?
Bei Erstimplantationen liegt das Infektionsrisiko unter 1 %. Bei Wechseloperationen steigt es auf 2–5 %. Durch strenge Hygienemaßnahmen und Antibiotikaprophylaxe wird das Risiko minimiert.
Muss bei einer Protheseninfektion immer operiert werden?
Nicht immer. Sehr früh erkannte, oberflächliche Infektionen können manchmal allein mit Antibiotika behandelt werden. Bei tiefen Infektionen ist jedoch in der Regel eine Operation notwendig – vom Spüleingriff bis zum Prothesenwechsel.
Was ist ein zweizeitiger Prothesenwechsel bei Infektion?
Beim zweizeitigen Wechsel wird die infizierte Prothese zunächst entfernt und ein antibiotikahaltiger Platzhalter eingesetzt. Nach mehrwöchiger Antibiotikatherapie und Infektionsfreiheit wird die neue Prothese in einer zweiten OP implantiert.
Wie kann man einer Protheseninfektion vorbeugen?
Infektionsherde (Zähne, Harnwege, Haut) vor der OP sanieren, Antibiotikaprophylaxe während der OP, gute Wundpflege, Diabetes optimal einstellen und bei späteren Eingriffen den Orthopäden informieren.
Was ist eine periprothetische Infektion?
Eine periprothetische Infektion (auch Protheseninfektion oder periprothetischer Infekt) ist eine bakterielle Besiedlung des Kunstgelenks und des umgebenden Gewebes. Sie gehört zu den schwerwiegendsten Komplikationen nach einem Gelenkersatz und erfordert eine konsequente Behandlung. Die Infektion ist nach der aseptischen Lockerung die zweithäufigste Ursache für einen Prothesenwechsel.
Ursachen: Wie entsteht eine Protheseninfektion?
Bakterien können auf verschiedenen Wegen zum Kunstgelenk gelangen:
Perioperative Kontamination
Während der Operation können trotz strenger Hygienemaßnahmen Keime in die Wunde gelangen. Diese Frühinfektionen treten in den ersten Wochen nach der OP auf und zeigen sich durch Wundheilungsstörungen, Rötung und Fieber.
Hämatogene Streuung
Bakterien aus einem anderen Infektionsherd im Körper gelangen über die Blutbahn zum Kunstgelenk. Mögliche Quellen sind Zahninfektionen, Harnwegsinfekte, Hautinfektionen oder Lungenentzündungen. Laut Dr. Michael Matz ist die Sanierung solcher Infektionsherde vor und nach einer Prothesenoperation deshalb besonders wichtig.
Biofilmbildung
Bakterien können auf der Prothesenoberfläche einen Biofilm bilden – eine schützende Schicht, die sie weitgehend resistent gegen Antibiotika und das Immunsystem macht. Dies erklärt, warum Protheseninfektionen oft nicht allein mit Antibiotika heilbar sind und häufig ein chirurgischer Eingriff notwendig wird.
Risikofaktoren für eine Protheseninfektion
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko einer Infektion:
- Diabetes mellitus: Verschlechtert die Immunabwehr und Wundheilung
- Übergewicht: Größere Wundfläche und schlechtere Durchblutung
- Immunsuppression: Durch Medikamente (Cortison, Methotrexat) oder Erkrankungen
- Rauchen: Beeinträchtigt die Wundheilung erheblich
- Wechseloperation: Höheres Risiko als bei Erstimplantation
- Rheumatoide Arthritis: Erhöhtes Grundrisiko durch Grunderkrankung und Medikamente
- Durchblutungsstörungen: Periphere arterielle Verschlusskrankheit
Formen der Protheseninfektion
Je nach Zeitpunkt des Auftretens werden drei Formen unterschieden:
- Frühinfektion (bis 3 Monate nach OP): Akuter Beginn mit Fieber, Rötung, Schwellung und Wundheilungsstörung. Meist durch OP-Keime (Staphylokokken).
- Verzögerte Infektion (3–24 Monate): Schleichender Verlauf mit persistierenden Schmerzen und milder Entzündung. Oft durch niedrigvirulente Keime.
- Spätinfektion (nach 24 Monaten): Akuter Beginn durch hämatogene Streuung aus einem anderen Infektionsherd.
Diagnostik: So wird eine Infektion nachgewiesen
Die Diagnose einer Protheseninfektion erfordert eine Kombination aus:
- Klinischer Untersuchung: Rötung, Überwärmung, Schwellung, Fistel
- Laborwerten: CRP (C-reaktives Protein), BSG (Blutsenkung), Leukozyten, Interleukin-6
- Gelenkpunktion: Untersuchung der Gelenkflüssigkeit auf Zellzahl, Differenzierung und Keimnachweis (Kultur, Sonikation)
- Bildgebung: Röntgen, MRT (mit metallkompatiblen Sequenzen), Leukozytenszintigraphie
Die Sonikation – das Ablösen von Bakterien aus dem Biofilm mittels Ultraschall – hat die Nachweisrate deutlich verbessert und ist in unserem Zentrum Standard.
Behandlung der Protheseninfektion
Die Therapie richtet sich nach dem Zeitpunkt der Infektion, dem Erreger und dem Zustand des Implantats:
DAIR (Debridement, Antibiotika, Implantat-Retention)
Bei Frühinfektionen (bis 4 Wochen) und stabiler Prothese kann das Gelenk chirurgisch gespült und gereinigt werden, während das Implantat im Körper verbleibt. Kombiniert mit gezielter Antibiotikatherapie liegen die Erfolgsraten bei 60–80 %.
Einzeitiger Prothesenwechsel
Entfernung der infizierten Prothese und Einsetzen einer neuen in einer einzigen OP. Geeignet bei bekanntem, empfindlichem Keim und gutem Gewebezustand.
Zweizeitiger Prothesenwechsel
Das Standardverfahren bei chronischen und komplexen Infektionen:
- Erste OP: Entfernung aller Fremdkörper, radikales Debridement, Einsetzen eines antibiotikahaltigen Spacers
- Zwischenphase: 6–12 Wochen Antibiotikatherapie, Kontrolle der Entzündungswerte
- Zweite OP: Einsetzen der Revisionsprothese nach nachgewiesener Infektionsfreiheit
Die Erfolgsrate des zweizeitigen Wechsels liegt bei 85–95 % und ist damit das zuverlässigste Verfahren bei schweren Infektionen.
Rehabilitation nach Infektbehandlung
Die Rehabilitation nach einer Infektbehandlung dauert in der Regel länger als nach einem regulären Prothesenwechsel. Besonders beim zweizeitigen Vorgehen ist der Gesamtverlauf mit 3–6 Monaten zu kalkulieren. Eine intensive Physiotherapie, konsequente Antibiotikatherapie und engmaschige Laborkontrollen sind essentiell.
Fazit: Frühzeitige Erkennung rettet das Gelenk
Eine Protheseninfektion ist eine ernste, aber behandelbare Komplikation. Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei Verdacht auf eine Infektion – anhaltende Schmerzen, Rötung, Fieber – sollten Sie unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen. In unserem Zentrum für Revisionsendoprothetik in München behandeln wir auch komplexe Infektionsfälle mit modernsten Verfahren.
Ihr Experte: Dr. Michael Matz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Über 2.000 Eingriffe. Spezialisiert auf minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik sowie Revisionseingriffe.
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