Alternativen zur Knieprothese
Muss es immer eine Prothese sein? Welche konservativen und operativen Alternativen es gibt und für wen sie geeignet sind.
Häufige Fragen zu Alternativen
Kann man eine Knieprothese vermeiden?
In frühen bis mittleren Arthrose-Stadien können konservative Therapien die OP oft um Jahre hinauszögern oder sogar ganz vermeiden. Bei fortgeschrittenem Verschleiß ist die Prothese jedoch meist die beste Option.
Helfen Hyaluronsäure-Spritzen bei Kniearthrose?
Hyaluronsäure-Injektionen können bei leichter bis mittlerer Arthrose die Schmerzen für mehrere Monate lindern und die Gelenkbeweglichkeit verbessern. Bei fortgeschrittenem Verschleiß ist die Wirkung begrenzt.
Was ist eine Umstellungsosteotomie am Knie?
Bei der Umstellungsosteotomie wird die Beinachse korrigiert, um die Belastung vom verschlissenen auf den gesunden Gelenkanteil zu verlagern. Sie eignet sich für jüngere Patienten mit einseitigem Verschleiß.
Kann Physiotherapie eine Knieprothese ersetzen?
Physiotherapie kann Schmerzen lindern und die Funktion verbessern, ersetzt aber keinen zerstörten Knorpel. Sie ist ein wichtiger Baustein der konservativen Therapie und kann die OP hinauszögern.
Wann ist eine Knieprothese unvermeidbar?
Wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind, der Gelenkspalt im Röntgen aufgebraucht ist (Knochen auf Knochen) und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist, führt an der Prothese meist kein Weg vorbei.
Konservativ vor operativ
Nicht jede Kniearthrose erfordert sofort eine Prothese. Im Gegenteil: In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen gut behandeln – oft über Jahre hinweg. Laut Dr. Michael Matz gilt in seiner Praxis ein klarer Grundsatz: „Eine Knieprothese empfehle ich erst, wenn alle sinnvollen konservativen Therapien ausgeschöpft sind. Die OP ist die letzte Option – nicht die erste."
Konservative Therapien
Physiotherapie und Krankengymnastik
Gezielte Physiotherapie ist der Grundpfeiler der konservativen Arthrose-Behandlung. Kräftigungsübungen für die Oberschenkelmuskulatur stabilisieren das Kniegelenk und entlasten den geschädigten Knorpel. Regelmäßiges Training kann Schmerzen signifikant reduzieren und die Funktion verbessern.
Gewichtsreduktion
Jedes Kilogramm weniger entlastet das Knie um das Drei- bis Sechsfache. Eine Gewichtsreduktion von nur 5 Kilogramm kann die Belastung beim Gehen um 15 bis 30 Kilogramm pro Schritt senken. Damit ist Abnehmen eine der wirksamsten „Therapien" bei Kniearthrose.
Schmerzmittel
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac) können akute Schübe lindern. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen auf Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System haben können. Paracetamol ist eine mildere Alternative für die Basistherapie.
Injektionstherapie
Verschiedene Injektionen können direkt ins Kniegelenk verabreicht werden:
- Hyaluronsäure: Verbessert die „Schmierung" des Gelenks und kann Schmerzen für 6 bis 12 Monate lindern. Am wirksamsten bei leichter bis mittlerer Arthrose.
- Kortison: Starke entzündungshemmende Wirkung, schnelle Schmerzlinderung. Sollte nicht häufiger als 3- bis 4-mal pro Jahr injiziert werden, da Kortison langfristig den Knorpel schädigen kann.
- PRP (Eigenbluttherapie): Aus dem eigenen Blut gewonnene Wachstumsfaktoren sollen die Knorpelregeneration anregen. Die Studienlage ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend geklärt. Keine Kassenleistung.
Orthopädische Hilfsmittel
Einlagen, Bandagen und Orthesen können das Kniegelenk entlasten und stabilisieren. Spezielle Entlastungsorthesen (Unloader-Braces) verlagern die Belastung auf den gesunden Gelenkanteil und können bei einseitigem Verschleiß die Schmerzen deutlich reduzieren.
Operative Alternativen zur Prothese
Arthroskopie (Gelenkspiegelung)
Bei der Arthroskopie wird das Kniegelenk über kleine Schnitte mit einer Kamera untersucht und behandelt. Freie Gelenkkörper, Meniskusschäden und Knorpelfragmente können entfernt werden. Bei reiner Arthrose ohne mechanische Probleme bringt eine Arthroskopie allerdings oft keinen nachhaltigen Nutzen.
Umstellungsosteotomie
Diese Operation kommt für jüngere, aktive Patienten (unter 55–60 Jahre) mit einseitigem Verschleiß und Beinfehlstellung infrage. Dabei wird der Schienbeinknochen gezielt durchtrennt und die Beinachse so korrigiert, dass die Belastung auf den gesunden Gelenkanteil verlagert wird. Ergebnis: Die Prothese kann oft um 10 bis 15 Jahre aufgeschoben werden.
Knorpeltherapie
Bei umschriebenen Knorpelschäden (nicht bei generalisierter Arthrose) können verschiedene Knorpeltherapien angewendet werden:
- Mikrofrakturierung: Kleine Löcher im freiliegenden Knochen regen die Bildung von Ersatzknorpel an
- Knorpeltransplantation (ACT): Körpereigene Knorpelzellen werden im Labor vermehrt und in den Defekt eingesetzt
- OATS-Plastik: Knorpel-Knochen-Zylinder werden von wenig belasteten Stellen auf den Defekt verpflanzt
Diese Verfahren eignen sich primär für jüngere Patienten mit lokalisierten Defekten – nicht für die flächige Arthrose.
Wann ist die Knieprothese doch die beste Lösung?
Konservative und gelenkerhaltende Therapien haben ihre Grenzen. Eine Knieprothese wird empfohlen, wenn:
- Der Gelenkspalt im Röntgen aufgebraucht ist (Knochen reibt auf Knochen)
- Schmerzen trotz konservativer Therapie den Alltag erheblich einschränken
- Die Gehstrecke auf unter 500 Meter gesunken ist
- Nachtschmerzen und Ruheschmerzen bestehen
- Die Lebensqualität massiv leidet
Fazit: Alle Optionen kennen, informiert entscheiden
Es gibt viele Wege, Kniebeschwerden zu behandeln – und nicht jeder führt über den OP-Tisch. Lassen Sie sich umfassend beraten und alle Alternativen aufzeigen. Gemeinsam finden wir die Therapie, die am besten zu Ihrer Situation passt. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin in unserem Zentrum für Endoprothetik.
Ihr Experte: Dr. Michael Matz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Über 2.000 Eingriffe. Spezialisiert auf minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik nach der Röttinger-Methode.
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Wir prüfen alle Alternativen – und finden die beste Lösung für Ihr Knie.
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