Häufige Fragen
Aus welchem Material besteht eine Hüftprothese?
Eine Hüftprothese besteht aus mehreren Komponenten: Der Schaft und die Pfanne sind meist aus Titan. Die Gleitflächen bestehen aus Keramik, Polyethylen oder einer Kombination beider Materialien.
Ist Keramik besser als Polyethylen?
Keramik hat einen geringeren Abrieb und eignet sich besonders für jüngere, aktive Patienten. Hochvernetztes Polyethylen bietet ebenfalls exzellente Langzeitergebnisse und ist die bewährte Standardlösung.
Kann man auf Titan allergisch reagieren?
Titanallergien sind extrem selten. Titan ist eines der biokompatiblesten Metalle und wird vom Körper sehr gut vertragen. Bei bekannter Metallallergie kann vorab ein Allergietest durchgeführt werden.
Was ist eine Gleitpaarung bei der Hüftprothese?
Die Gleitpaarung bezeichnet die Materialkombination an den beweglichen Kontaktflächen der Prothese – also Hüftkopf und Pfanneneinsatz. Sie bestimmt den Abrieb und damit die Haltbarkeit.
Löst die Hüftprothese den Metalldetektor am Flughafen aus?
Ja, Metalldetektoren können auf die Titankomponenten ansprechen. Ein Implantatausweis, den Sie nach der OP erhalten, erleichtert die Kontrolle am Flughafen erheblich.
Hüftprothese Materialien – Titan, Keramik und Polyethylen im Vergleich
Welches Material ist das beste für Ihre Hüftprothese? Ein Überblick über Eigenschaften, Vor- und Nachteile.
Die Materialwahl bei einer Hüftprothese beeinflusst Haltbarkeit, Verträglichkeit und Funktion des Implantats maßgeblich. Moderne Hüftprothesen bestehen aus einer Kombination verschiedener Hochleistungsmaterialien: Titan für die strukturellen Komponenten, Keramik und Polyethylen für die Gleitflächen. Jedes Material hat spezifische Stärken. Die optimale Kombination richtet sich nach Alter, Aktivitätslevel und Knochenqualität des Patienten. Dieser Artikel erklärt die Eigenschaften der wichtigsten Materialien und hilft Ihnen, die Empfehlung Ihres Operateurs besser zu verstehen.
Titan – Das Grundgerüst der modernen Hüftprothese
Titan und Titanlegierungen sind das Standardmaterial für Prothesenschaft und Pfannengehäuse. Die Vorteile von Titan sind vielfältig: Es ist extrem leicht, korrosionsbeständig und besitzt eine hervorragende Biokompatibilität – der Körper erkennt Titan nicht als Fremdkörper. Die aufgeraute Oberfläche moderner Titanschäfte fördert das Einwachsen von Knochengewebe (Osseointegration), was eine stabile biologische Verankerung ermöglicht.
Die elastischen Eigenschaften von Titan ähneln denen des menschlichen Knochens stärker als andere Metalle. Das reduziert das sogenannte Stress-Shielding – einen Knochenabbau, der entsteht, wenn das Implantat deutlich steifer ist als der umgebende Knochen. Moderne Titanlegierungen wie Ti-6Al-4V bieten eine optimale Balance aus Festigkeit, Elastizität und Biokompatibilität und sind der Goldstandard in der Endoprothetik.
Keramik – Minimaler Abrieb für aktive Patienten
Keramik wird vor allem für die Gleitflächen eingesetzt – als Hüftkopf und teilweise als Pfanneneinsatz. Der größte Vorteil von Keramik ist der extrem geringe Abrieb. Laut Dr. Michael Matz erzeugen Keramik-Keramik-Gleitpaarungen bis zu 5.000-mal weniger Abriebpartikel als ältere Metall-Polyethylen-Kombinationen. Weniger Abrieb bedeutet weniger Entzündungsreaktionen im Gewebe und damit ein geringeres Risiko für eine aseptische Prothesenlockerung.
Moderne Keramiken wie Biolox Delta sind extrem bruchfest – das frühere Risiko eines Keramikbruchs ist bei aktuellen Implantaten praktisch eliminiert. Keramik ist zudem allergiefrei und gewebeverträglich. Sie eignet sich besonders für jüngere Patienten unter 65 Jahren, die aktiv sind und eine Prothesenhaltbarkeit von 25 Jahren und mehr anstreben. In seltenen Fällen können Keramikköpfe bei bestimmten Bewegungen quietschende Geräusche verursachen – ein ästhetisches, kein medizinisches Problem.
Polyethylen – Der bewährte Klassiker
Hochvernetztes Polyethylen (HXPE) ist das am häufigsten verwendete Material für Pfanneneinsätze. Die Weiterentwicklung des Materials hat den Abrieb gegenüber konventionellem Polyethylen um über 90 Prozent reduziert. HXPE bietet ausgezeichnete Gleiteigenschaften in Kombination mit Keramik- oder Metallköpfen und ist die Standardwahl für die Mehrheit der Hüftprothesen weltweit.
Der Vorteil von HXPE gegenüber Keramik-Keramik-Paarungen liegt in der Vielseitigkeit und Kosteneffizienz. Das Material ist stoßabsorbierend, geräuschfrei und in verschiedenen Größen verfügbar. Für Patienten über 65 Jahre mit moderatem Aktivitätsniveau bietet Keramik-Polyethylen ein hervorragendes Langzeitergebnis. Die Kombination aus Keramikkopf und HXPE-Einsatz vereint die Vorteile beider Materialien: geringer Abrieb der Keramik und Stoßdämpfung des Polyethylens.
Gleitpaarungen im Vergleich
Die Wahl der Gleitpaarung ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Prothesenplanung. Keramik-Keramik bietet den geringsten Abrieb und die längste theoretische Haltbarkeit, eignet sich besonders für junge, aktive Patienten. Keramik-Polyethylen ist die vielseitigste Kombination mit exzellenten Langzeitergebnissen für alle Altersgruppen.
Metall-Polyethylen war lange der Standard, wird aber zunehmend durch Keramikköpfe ersetzt, da diese weniger Abrieb erzeugen. Metall-Metall-Paarungen werden aufgrund des Risikos von Metallionenfreisetzung heute nicht mehr empfohlen. In der Praxis empfiehlt Ihr Operateur die Gleitpaarung auf Basis Ihres Alters, Ihrer Aktivität und Ihrer Knochenqualität. Die individuell beste Lösung wird im Beratungsgespräch gemeinsam festgelegt.
Zementierte oder zementfreie Verankerung?
Neben den Materialien der Gleitpaarung ist die Verankerungstechnik entscheidend. Zementfreie Prothesen werden bei Patienten mit guter Knochenqualität bevorzugt – der Knochen wächst in die poröse Titanoberfläche ein und bildet eine biologische Verankerung. Diese Methode eignet sich besonders für jüngere Patienten, da sie einen späteren Wechsel erleichtert.
Zementierte Prothesen verwenden Knochenzement (PMMA) zur sofortigen Fixierung. Sie sind vorteilhaft bei Osteoporose oder schlechter Knochenqualität, da sie von Beginn an stabil sitzen. Hybridlösungen – zementfreie Pfanne und zementierter Schaft – kombinieren die Vorteile beider Methoden. Die Entscheidung trifft der Operateur anhand der individuellen Knochenqualität, die präoperativ mittels Röntgen und gegebenenfalls Knochendichtemessung beurteilt wird.
Ihr Experte: Dr. Michael Matz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Über 2.000 Eingriffe. Spezialisiert auf minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik nach der Röttinger-Methode.
Termin vereinbarenPersönliche Beratung vereinbaren
Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.
Mo–Fr 8–18 Uhr · Leopoldstr. 78, München